Triage-Terrorist
Unklare Prioritäten setzen

Triage-Terrorist

"Alles ist ROT!"

Der Triage-Tornado ist kein gewöhnlicher Sturm – er ist ein Wirbelsturm aus falsch gesetzten Prioritäten, der ganze Notaufnahmen in Chaos stürzt. Plötzlich ist alles kritisch: Der Patient mit leichtem Fieber, der Kollege, der einen Arztbrief unterschrieben haben will, sogar die Kantinensuppe, die angeblich „sofort“ serviert werden muss. Was hier passiert, nennt Stephen Hearns in Peak Performance under Pressure schlicht Overtriage – ein Phänomen, bei dem Ressourcen dort gebunden werden, wo sie nicht hingehören. Statt klare Entscheidungen zu treffen, wird alles mit demselben roten Stempel versehen: „Dringend! Lebensgefahr!“ Dabei ist das Problem nicht der Druck selbst, sondern die Unfähigkeit, ihn zu kanalisieren.

Hearns beschreibt, wie Overtriage nicht nur Zeit und Energie verschwendet, sondern echte Notfälle gefährdet. Wenn alles „kritisch“ ist, wird nichts mehr wirklich priorisiert – und das in einem Umfeld, in dem jede Sekunde zählt. Der Triage-Tornado entsteht oft aus Unsicherheit oder dem Bedürfnis, „auf Nummer sicher“ zu gehen. Doch genau das führt zum Gegenteil: Statt Kontrolle herrscht Hektik, statt Fokus gibt es nur noch Reaktionsmodus. Besonders tückisch ist, dass das Verhalten ansteckend wirkt – sobald einer alles als „rot“ markiert, ziehen andere nach. Das Ergebnis? Ein System, das sich selbst blockiert.

Die Lösung? Hearns setzt auf Rally Points (Kap. 15) – klare, vorher definierte Entscheidungspunkte, die helfen, Prioritäten auch unter Stress zu setzen. Statt im Tornado gefangen zu bleiben, geht es darum, den Blick für das Wesentliche zu schärfen: Was muss jetzt passieren? Was kann warten? Und vor allem: Wie vermeiden wir, dass aus einer einfachen Erkältung ein medizinischer Notfall wird – nur weil jemand den roten Stempel nicht mehr loslässt?

Das klingt lebensbedrohlich!

📖 Situational Control: priorisieren, delegieren, Rally Points (Kap. 15)