SBAR-Saboteur
Kommunikationsstörungen im Team

SBAR-Saboteur

"Der hat was mit... äh..."

Der SBAR-Saboteur ist der heimliche Störenfried in jedem Notfallteam – und leider viel zu oft unsichtbar, bis es schon zu spät ist. Dieses Monster tarnt sich als harmlose Unsicherheit ("Der hat was mit... äh..."), doch in Wahrheit ist es ein Meister der Halbwahrheiten und vagen Andeutungen. Wie Hearns in Peak Performance under Pressure betont, entstehen 70% aller kritischen Zwischenfälle (Sentinel Events) durch Kommunikationsfehler – und der SBAR-Saboteur ist ihr häufigster Komplize. Statt präzise Informationen nach dem SBAR-Schema (Situation, Background, Assessment, Recommendation) zu liefern, wirft er nur Bruchstücke in den Raum: "Bauch... oder Fieber... irgendwas mit B?". Das Problem? Unter Druck interpretiert jedes Teammitglied diese Fragmente anders – und plötzlich handelt jemand auf Basis einer Annahme, die mit der Realität nichts zu tun hat.

Besonders tückisch ist, dass der SBAR-Saboteur nicht aus Boshaftigkeit handelt, sondern aus einem falsch verstandenen Sicherheitsgefühl. Hearns beschreibt, wie Stress unsere kognitive Bandbreite verengt ("Denken unter Druck", Kap. 2) – und in diesem Tunnelblick erscheint eine unklare Aussage oft als "besser als nichts". Doch genau hier liegt der Irrtum: Vage Kommunikation ist kein Sicherheitsnetz, sondern ein Brandbeschleuniger. Sie zwingt Kollegen, Lücken mit eigenen Hypothesen zu füllen, was zu einem Shared Mental Model führt, das mit der Realität nichts mehr gemein hat. Das Ergebnis? Zeitverlust, Fehldiagnosen, im schlimmsten Fall ein Patient, der zwischen den Rissen des Systems verschwindet. Der SBAR-Saboteur ist kein Einzelgänger – er infiziert ganze Teams, wenn er nicht aktiv bekämpft wird.

Die gute Nachricht: Dieses Monster lässt sich trainieren. Hearns zeigt, dass strukturierte Kommunikation keine angeborene Gabe ist, sondern eine trainierbare Stärke (Vorwort). Der Schlüssel liegt in der bewussten Anwendung von Tools wie SBAR, die selbst unter Stress klare Informationsketten erzwingen. Wer den SBAR-Saboteur in Schach halten will, muss ihn entlarven – nicht als bösen Kollegen, sondern als Symptom eines Systems, das unklare Kommunikation belohnt. Die Lösung? Regelmäßige Simulationen ("Simulation und Kompetenzerwerb", Kap. 10), in denen Teams lernen, auch unter Druck präzise zu formulieren. Denn wie Hearns sagt: "Sangfroid – die Kunst, in extremen Momenten einen kühlen Kopf zu bewahren – ist keine Magie, sondern Handwerk." Und dieses Handwerk beginnt damit, dem SBAR-Saboteur die Bühne zu entziehen.

Du weißt schon!

📖 Strukturierte Kommunikation (SBAR), Shared Mental Model (Kap. 9)