Dr. Solo-Supermann
Einzelkämpfer-Mentalität

Dr. Solo-Supermann

"Ich brauch NIEMANDEN!"

Der Solo-Supermann ist der Typ, der selbst dann noch „Ich schaff das allein!“ brüllt, wenn er unter einem 150-Kilo-Patienten begraben liegt – und dabei jede angebotene Hilfe mit einem Schulterzucken oder einem genervten Blick abtut. Doch hier liegt das Problem: In der Notfallmedizin geht es nicht um Heldentum, sondern um Höchstleistung unter Druck, und die entsteht selten im Alleingang. Stephen Hearns macht in Peak Performance under Pressure unmissverständlich klar, dass selbst die besten Skills nichts taugen, wenn sie nicht in ein funktionierendes Team eingebettet sind. Der Solo-Supermann ignoriert genau das, was nachweislich Leben rettet: Koordination, klare Aufgabenverteilung und das Nutzen aller verfügbaren Ressourcen – also genau die Prinzipien, die Hearns aus der Luftfahrt (Stichwort: Crew Resource Management) und anderen Hochrisikobereichen ableitet.

Sein Ego ist dabei nicht nur lästig, sondern gefährlich. Hearns beschreibt, wie individuelle Überlastung zu Fehlern führt – und zwar nicht, weil jemand unfähig wäre, sondern weil der Mensch unter Stress nun mal nur eine begrenzte kognitive Bandbreite hat. Der Solo-Supermann glaubt, er könne alles gleichzeitig managen: Diagnose stellen, Medikamente berechnen, den Monitor im Auge behalten und noch schnell den Kollegen anbrüllen, der ihm helfen will. Doch genau diese Selbstüberschätzung ist ein klassisches „Gegendruck“-Phänomen (Kap. 1.3) – ein Hindernis, das Höchstleistung verhindert. Teams, die stattdessen auf „Kulturen der Exzellenz“ (Teil 2) setzen, wissen: Erfolg entsteht durch strategische Führung, klare Rollen und das Eingestehen von Grenzen. Der Solo-Supermann aber macht genau das Gegenteil – und wird damit zum Risikofaktor.

Am Ende ist sein Verhalten kein Zeichen von Stärke, sondern von mangelnder Vorbereitung auf den Druck. Hearns betont, dass „Sangfroid“ – die Kunst, in Extremsituationen einen kühlen Kopf zu bewahren – trainierbar ist. Doch wer sich weigert, im Team zu arbeiten, trainiert genau das nicht. Stattdessen verpasst er die Chance, durch Simulationen, Checklisten und strukturierte Kommunikation (Teil 4) zu lernen, wann er Hilfe braucht – und wie er sie effektiv einsetzt. Der Solo-Supermann mag sich wie ein Held fühlen, aber in Wahrheit ist er nur ein einsamer Kämpfer, der irgendwann unter der Last seiner eigenen Überheblichkeit zusammenbricht. Und das ist das Letzte, was ein Patient in einer kritischen Situation braucht.

Ich schaff das...allein!

📖 Kooperation/Task Allocation statt Heldenmodus (Kap. 9)