Blackout-Bernd
Stressbedingte Gedächtnisblockaden

Blackout-Bernd

"Was war nochmal...?"

Der Blackout-Blob ist der ungebetene Gast in deinem Kopf, der genau dann auftaucht, wenn du ihn am wenigsten gebrauchen kannst – etwa wenn du im Schockraum stehst und plötzlich vergisst, wie der Algorithmus für den Reanimationsablauf nochmal hieß. Nicht, weil du ihn nicht gelernt hättest, sondern weil dein Gehirn unter Stress einfach den Hippocampus – die Schaltzentrale für Erinnerungen – temporär abschaltet. Stephen Hearns beschreibt in „Peak Performance under Pressure“ dieses Phänomen als direkte Folge von Cortisol, das in Hochdrucksituationen den Zugriff auf gelernte Informationen blockiert. Plötzlich ist da nur noch ein schwarzes Loch, wo eigentlich Wissen sein sollte: „Rea-Algorithmus? Was das?“

Das Problem ist nicht mangelnde Vorbereitung, sondern die physiologische Reaktion deines Körpers. Hearns erklärt, dass dieser Mechanismus evolutionär sinnvoll war – in Gefahrensituationen zählt schnelles Handeln, nicht präzises Erinnern. Doch im modernen Notfallsetting wird daraus ein handfestes Risiko: Wenn du unter Zeitdruck stehst und plötzlich nicht mehr weißt, welche Medikamente du in welcher Dosierung geben musst, kann das fatale Konsequenzen haben. Der Blackout-Blob trifft dabei nicht nur Berufsanfänger – selbst erfahrene Teams berichten von Momenten, in denen selbst einfache Abläufe wie weggewischt scheinen. Der Schlüssel liegt laut Hearns nicht darin, mehr zu lernen, sondern Strategien zu entwickeln, um den Gegendruck (ein zentrales Konzept aus Kap. 2) zu managen: etwa durch strukturierte Checklisten oder mentale Vorbereitung, die den Hippocampus entlasten.

Was den Blob besonders tückisch macht, ist seine Unberechenbarkeit. Er schlägt nicht bei jeder Stresssituation zu, sondern genau dann, wenn die kognitive Last am höchsten ist – etwa bei seltenen Notfällen oder wenn mehrere Patienten gleichzeitig versorgt werden müssen. Hearns betont, dass diese Blockaden kein Zeichen von Schwäche sind, sondern eine normale Reaktion des Gehirns. Die gute Nachricht: Sie lassen sich trainieren. Durch Simulationen (Kap. 4) und gezielte Druckübungen kann das Gehirn lernen, auch unter Cortisol-Einfluss auf Wissen zuzugreifen. Bis dahin bleibt der Blackout-Blob ein ständiger Begleiter – aber einer, den man mit den richtigen Werkzeugen in Schach halten kann.

Rea-Algorithmus? Was das?

📖 Erinnerung/Informationsabruf unter Stress (Kap. 2)